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Seminar-Blog zum Konstruktismus -


Unbedigte Freiheit

Unbedingte Freiheit – so lautet der zweite Teil in Bieris “Freiheitsbuch”. Das ist mit ca. 200 Seiten der längste Teil, bei dem man sich auch – so meine Einschätzung – am meisten konzentrieren muss. Die spannende Frage, um die es dabei immer wieder geht ist: Gibt es überhaupt eine unbedigte Freihiet bzw. kann es eine solche geben?

Gabi

« Bedingte Freiheit – Angeeignete Freiheit »

Info:
Unbedigte Freiheit ist Beitrag Nr. 4
Autor:
Alexander Florian am 3. Februar 2008 um 13:50
Kategorie:
II. Unbedigte Freiheit
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18 Kommentare »

  1. Die ge-haltlose Idee des unbedingten Willens « Silberschweif

    [...] zum Thema Peter Bieri, die bedingte und unbedingte Willensfreiheit gibt es auf dem Konstruktivismus-Blog der Professur für Medienpädagogik ab der Universität [...]

    #1 Pingback vom 17. April 2008 um 10:09

  2. Ethische Zwockmühlen « Silberschweif

    [...] und „falschem“ moralischen Handeln, wie es Lind macht, aus meiner Sicht keinen Sinn. Zur Zusammenhang zwischen Moral und Willensfreiheit siehe auch S.212.222 in Peter Bieris Buch „Das Handwerk der [...]

    #2 Pingback vom 21. April 2008 um 14:23

  3. Dominik

    S.177 „(…) nicht die Frage, ob irgendjemand an Raskolnikovs Stelle anders hätte überlegen können, sondern ob Raskolnikov, dieser Raskolnikov, es gekonnt hätte. Und da ist die Antwort: nein.“

    In Konsequenz würde das eine vollkommene Determinierung des Subjekts oder Individuums bedeuten. Wir wären an äußere und innere Faktoren und Umstände gebunden wie ein Hund, der an der Leine geht. Dieser Gedanke macht Angst bzw. eng furchtbar ein. Man hat, bzw. ich habe das Gefühl, nicht mehr frei atmen zu können und jederzeit denke ich daran, dass ich zu dieser Entscheidung bzw. zu der Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten ja durch meinen Lebensweg gezwungen wurde.
    Aber: Das denke ich nur solange ich das Buch lese oder mir ganz gezielt Gedanken darüber mache. Ist man dann wieder in einer „normalen Situation“, ist es wie Gerhard Roth es in der Augsburger Allgemeinen vom 10. Mai in einem Interview gesagt hat: „Der Mensch fühlt sich frei, wenn er tun kann, was er will, unabhängig davon, wie es zu diesem Willen kommt. Die Bedingtheit unseres Willens erleben wir nicht.

    #3 Kommentar vom 12. Mai 2008 um 17:42

  4. Dominik

    S.183 „Bloß vorgestellte Möglichkeiten nützen für die Freiheit nichts (…).“

    Das stellt für mich einen zentralen Punkt in den Überlegungen zur Willensfreiheit dar. Ich glaube, dass man „vorgestellte Möglichkeiten“ in seinen Überlegungen zur Entscheidungsfindung allzu oft mit tatsächlichen Möglichkeiten, die ich wirklich ergreifen kann, vermischt (Nach dem Motto: „Naja, ich könnteaber auch dies und jenes machen … „ dabei spiegelt der Konjunktiv die Unmöglichkeit wider! Denn bei den realen Möglichkeiten sage ich eher „Ich habe die Wahl zwischen A und B“). Dadurch ergaunert man sich ein Gefühl der Entscheidungsfreiheit, das man eigentlich nicht hat. Die Frage ist, warum man das macht?! Für ein positiveres Gefühl? Spürt man die eigene Bedingtheit, die in diesem Fall fast zu einem Zwang wird, sich nur auf die (eine) Möglichkeit/en zu beschränken?
    Unproblematisch sehe ich das Vorstellen gar nicht realer oder im Moment durchführbarer Möglichkeiten hinsichtlich der eigenen Willensfreiheit. Hier besteht ja ein entscheidender Unterschied zur Entscheidungsfreiheit. Nur weil die Möglichkeiten nur einer Illusion entspringen, berühren sie in keiner Weise negativ meine Freiheit des Willens. Dieser Spielraum bleibt unangetastet – selbst wenn die Möglichkeiten, zwischen denen ich mich entscheiden muss, überhaupt nicht existieren.
    Im Nachhinein, also nachdem ich mir obige Aussage aufgeschrieben habe, habe ich auf Seite 283 eine beinahe exakte Erklärung von Bieri selbst gefunden: „Für die Frage, ob mein Wille frei ist in dem Sinne, dass er sich meinem Urteil fügt, spielt es keine Rolle, ob die Möglichkeiten, die ich in der Urteilsbildung betrachte, auch wirklich bestehen (…)“.

    #4 Kommentar vom 12. Mai 2008 um 17:43

  5. Dominik

    S.211 letzter Absatz

    Ist das kein Widerspruch? War nicht auch das vorgegeben wie es auf Seite 208 steht?
    Ich halte die Argumentation, dass Taten aus bedingter Freiheit prinzipiell „nicht strafbar“ sind auch für zu einfach – und schlicht unangemessen und unfair gegenüber allen, die sich nichts zu schulden kommen lassen. Ich habe den Eindruck, Bieri vertritt diese Haltung mit einer Härte, die ich genauso gut umkehren kann: „aber Raskolikov hatte doch Vernunft, er kann sehr wohl Einfluss nehmen, auch wenn sein Handeln angestoßen war.“ Könnte man hier nicht die Idee des Personseins und der bedingten Freiheit verbinden? Ich weiß, das bringt – nach allem, was ich bisher gelesen habe – mir nur Widersprüche ein, aber irgendetwas sträubt sich in mir, das so zu sehen wie es Bieri meiner Ansicht nach tut. Vielleicht weil es komplizierter, aufwändiger, unangenehmer ist, so zu denken?

    #5 Kommentar vom 12. Mai 2008 um 17:44

  6. Dominik

    S.216 oben „(…) ohnmächtiger Spielball eines ihm fremden Willens (…)“

    Mal eine Frage an alle: Wie entsteht eigentlich so ein „fremder Wille“ in einem?

    #6 Kommentar vom 12. Mai 2008 um 17:44

  7. Dominik

    S.239 Zum „Unbedingt Freien“

    Der Zustand unbedingter Freiheit würde auch das Ansammeln von Wissen und die Verknüpfung dieser Wissensstrukturen unnötig machen, auf Basis derer wir uns als Persönlichkeit entwickeln und Entscheidungen treffen. Man könnte auch nicht mehr von „Persönlichkeit“ sprechen, da der Mensch bzw. der menschliche Körper nur noch die den unbedingten Willen umkleidende Hülle wäre.

    #7 Kommentar vom 12. Mai 2008 um 17:45

  8. Dominik

    S.249 ff „Wörter, die gefangen nehmen“

    Es fällt immer wieder auf, dass Bieri – wie Glasersfeld und Varela, glaube ich mich erinnern zu können – auf das Problem der Sprache bzw. dem Problem des Verständnisses und der Bedeutungsstrukturzuweisung eingeht.
    Befinden wir uns im Alltag im Gespräch mit Freunden, Familie und Kollegen, mag ein eher oberflächliches „Sprechen und Verstehen“ ausreichen, um auf einer gemeinsamen Ebene zu kommunizieren und sich auszutauschen.
    Aber sobald man auf an sich so „einfache“ Begriffe wie Wille, Entscheidungsfreiheit, Urheber etc. eingeht, wird es schwierig. Es sind wahnsinnig viele Assoziationen damit verknüpft, die teilweise gar nicht dazu passen. Die auf den ersten Blick eine scheinbare „heile und logische Welt“ vorgaukeln, aber bei näherer Betrachtung in sich zusammenfallen, weil sie die Phänomene eben nicht erklären können bzw. in diesen Zusammenhängen schlicht nicht passen.
    Auf die Praxis bezogen bedeutet dies doch, dass ich gerade bei wissenschaftlicher Arbeit genau aufpassen muss. Man sollte jedes Wort, jeden Sinnzusammenhang ähnlich eines Chirurgen sezieren und ernsthaft darüber nachdenken, welche Wurzel eigentlich dahinter steckt.

    #8 Kommentar vom 15. Juni 2008 um 12:59

  9. Dominik

    S. 252 Mitte „Eine ganz andere Sache ist, dass es für den Willen Bedingungen gibt: …“

    Ein zentraler Punkt aus meiner Sicht: Bieri beschreibt nämlich die Bedingtheit, der wir alle in verschiedener Art und Weise „ergeben“ (das klingt schon wieder nach Unfreiheit, ist aber so nicht gemeint!) sind, als „abhängige Variable“, und eben nicht als etwas, das uns unfrei macht.
    Überhaupt ist es doch Unsinn anzunehmen, wir wären unbedingt. Damit würde man ja seine ganze Umwelt und ihre Auswirkungen auf die eigene Person negieren. Es ist ja auch nicht so, dass man sich, nur weil man durch äußere Einflusse zum Teil getrieben wird (nicht im Bieri’schen Sinne!), unfrei fühlt.

    #9 Kommentar vom 15. Juni 2008 um 13:00

  10. Dominik

    S.264 Mitte „Die Freiheit, sich zu seinen Entscheidungen entscheiden zu können: Wir brauchen sie nicht, weil es die Ohnmacht und Unfreiheit, die dadurch abgewehrt werden sollen, gar nicht gibt.“

    Bedeutet das, das meine bedingte Freiheit also von den (un)erfüllten Kriterien des Ohnmachtgedankens abhängt? Muss ich stets prüfen, ob das Geschehen, von mir verschieden ist oder nicht, ob ich es beeinflussen kann oder nicht und ob ich überhaupt möchte, ob das Geschehen überhaupt so verläuft?

    #10 Kommentar vom 15. Juni 2008 um 13:00

  11. Dominik

    S.277 unten „Erst wenn er den Eindruck hat, dass es jetzt kein Zufall mehr ist, was er will, wird er im Bewusstsein der Freiheit zur Ruhe kommen.“

    Der Akt der Freiheit beruht demnach also auf dem zwangsweise Herbeiführen von Entscheidungen, was man aber selbst nicht als Zwang im herkömmlichen, unfreien, Sinne erleben darf, oder? Ich muss mir also sicher bzw. innerlich gefestigt sein, damit ich mich nicht in meiner letztendlichen Entscheidungsfreiheit eingeschränkt fühle?!

    #11 Kommentar vom 15. Juni 2008 um 13:01

  12. Dominik

    S.282 oben-Mitte

    Dass man aufgrund seiner Lebensgeschichte letztlich nur eine Möglichkeit, und keine andere, hat, so zu handeln wie man schließlich handelt, das Leben also tatsächlich nur ein Strich auf der Erde ist, scheint mir höchstens in solchen Extremsituationen zu sein, wie im erwähnten Emigranten-Beispiel. Und selbst da habe ich doch mehrer tatsächliche Möglichkeiten, unter denen sich der Emigrant, wie im obigen Kommentar beschrieben, in einem Entscheidungsprozess dann auch entscheidet.
    Aber gerade in weniger extremen Situationen im Alltag habe ich doch durchaus mehrere Möglichkeiten. Gehe ich jetzt oder später einkaufen – oder gar nicht? Da spielt die Lebensgeschichte doch kaum eine Rolle, oder? Es geht hier nicht um Leben oder Tod.

    #12 Kommentar vom 15. Juni 2008 um 13:03

  13. Dominik

    S.285-288

    Was Bieri hier beschreibt, bedeutet letztendlich doch, dass meine Phantasie bzw. das Nachdenken über eigentlich nicht reale Handlungsmöglichkeiten mir hilft, direkten Einfluss auf reale Entscheidungschancen zu nehmen. Soll also das Nachdenken allein beim Entscheidungsprozess helfen? Aber genau das Wissen darüber, wenn man sich diesem Umstand ganz bewusst ist, grenzt ja an Selbstbetrug!

    #13 Kommentar vom 15. Juni 2008 um 13:04

  14. Dominik

    S.309 „Und so ist es auch mit einer beruflichen Festlegung: Wir könne nicht mehr wechseln. Festgelegt zu sein, heißt hier: eingeengt zu sein.“

    Bedeutet das im Umkehrschluss, dass der Begriff „Traumjob“ bzw. die oft gehörte Phrase „Das ist mein absoluter Traumberuf“ nur dazu da ist, die vorhandene Unfreiheit/Eingeengtheit mit dem Mantel der ständig verfügbaren Umentscheidungs- und Wahlmöglichkeiten zu überdecken?

    #14 Kommentar vom 15. Juni 2008 um 13:04

  15. Dominik

    S.318f. „Dass die Linie, die wir auf der Oberfläche der Erde ziehen, nur eine einzige Linie sein kann, weil alles andere ist, wie es ist, nimmt uns kein Iota von unserer Freiheit weg.“

    Hier wird zum ersten Mal so argumentiert, dass die Linie nicht als Entscheidungsbahn, sondern als ganzes Leben, innerhalb dessen eben schon viele Entscheidungen und Wahlmöglichkeiten bestehen, angesehen wird.
    Wir ziehen im Endeffekt nur eine Lebenslinie. Aber nicht, weil wir nur einen vorgegebenen Weg gehen können, sondern weil wir nur ein Leben haben! Die Linie ist also das Ergebnis eines Lebens, das aus vielen Entscheidungen und daraus folgend Abzweigungen und Wegen besteht, die wir beschreiten können oder auch nicht.

    #15 Kommentar vom 15. Juni 2008 um 13:05

  16. Dominik

    S.353 komplette Seite

    Diese Argumentation erinnert mich ein wenig an den Kategorischen Imperativ von Kant, der zwar von seiner Formulierung eher auf das eigene Ich Wert legt, aber im Endeffekt genau das formuliert, was Bieri mit dem Begriff des moralischen Standpunktes ausdrücken will!

    #16 Kommentar vom 15. Juni 2008 um 13:06

  17. Dominik

    S.358 „Ich sehe nicht, wie man die Einstellung unfair nennen könnte, wenn es einfach zu ihrer inneren Logik gehört, dass sie Verstöße – wie bedingt sie auch immer sein mögen – ahndet. (…)“

    Heißt das, dass moralisches Denken bedeutet, von der eigenen Bedingtheit Kenntnis zu nehmen, aber es vorauszusetzen, dass jeder Kenntnis und Verständnis (!) über die innere Logik des moralischen Standpunktes (z.B, Verstöße konsequent zu ächten) hat?

    #17 Kommentar vom 15. Juni 2008 um 13:06

  18. Dominik

    S.359 „Handlungsgründe – das können doch nur die eigenen Wünsche sein.“

    Das sehe ich komplett anders. Eine Gesellschaft funktioniert doch nur, wenn man Rücksicht nimmt und bisweilen auch Verzicht übt, auch wenn als Ergebnis nicht unbedingt das Wohlergehen der anderen herauskommt.

    #18 Kommentar vom 15. Juni 2008 um 13:07

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