Je mehr Wahlmöglichkeiten wir haben, desto höher ist der Aufwand, den wir in die Entscheidungsfindung investieren müssen, und desto mehr erwarten wir, dass die Konsequenzen einer Entscheidung erfreulich sind (Schwartz 2004, 177). Die Lektion aus diesen Erkenntnissen ist, dass hohe Erwartungen schädlich für unser Wohlbefinden sind. Wir können mehr für unsere gefühlte Lebensqualität tun, indem wir unsere Erwartungen kontrollieren, als wir durch praktisch alles andere erreichen können. Der Vorteil von gemäßigten Erwartungen ist, dass sie angenehme Überraschungen zulassen.
Wie mäßigen wir unsere Erwartungen an Lebensumstände? Die erste Herausforderung an uns liegt darin, einen Weg zu finden, um unsere Erwartungen auf diesem gemäßigten Niveau zu halten, auch dann, wenn unsere Lebensqualität immer besser wird. Die zweite Herausforderung liegt darin, weniger zu bereuen. Das Gefühl von Reue, unabhängig davon, ob es sich um Reue im Nachhinein oder um vorauseilende Reue handelt, beeinflusst unsere Entscheidungen und führt teilweise sogar dazu, dass wir Entscheidungen vermeiden. Wenngleich Reue oft gerechtfertigt ist und uns bei Entscheidungsfindungsprozessen helfen kann, ist sie doch schädlich, wenn sie unser Denken behindert und Entscheidungen verhindert (Schwartz 2004, 231). Wir können Reue vermindern, indem wir
- damit zufrieden sind, wenn eine Entscheidung gut genug ist, statt zu versuchen, ständig die bestmögliche aller Entscheidungen zu treffen;
- die Anzahl der Wahlmöglichkeiten verringern, über die wir nachdenken, bevor wir eine Entscheidung treffen;
- uns darin üben, zufrieden damit zu sein, was gut ist an einer Entscheidung, als uns den Kopf darüber zu zermartern, was an ihr schlecht sein könnte;
- Reue als Prämisse für unser Tun und Empfinden als Menschen akzeptieren.
Richard (1994, 12) führt aus: „Obwohl wir unser Leben gerne ohne Gefühle der Reue erleben würden und obwohl mir manchmal stolz verkünden, nichts zu bereuen, liegt dies nicht im Bereich des Möglichen, denn letztlich sind wir alle nur sterbliche Wesen.“